Ansätze aus dem Bereich von Theorien rationaler Wahlhandlungen (rational choice) und solche, die die Rolle politischer Ideen sowie interpretativer und kognitiver Faktoren betonen, werden oft als einander diametral ent- gegengesetzt und unvereinbar betrachtet. Der Aufsatz bezweifelt diese Auffassung. Er stellt zunächst die vernichtende Kritik der rational choice-Anhänger an ideenorientierten Ansätzen dar und zeigt dann, daß in neueren Arbeiten dieser vielgestaltigen Schule Ideen durchaus mit Gewinn zur Überwindung verschiedener Probleme eingesetzt werden. Unter ihnen befindet sich das Problem kognitiver Beschränkungen - die Rationalitätsannahmen untergraben - sowie das Problem multipler Gleichgewichtspunkte (bekannt als das »Folk-Theorem«). Es zeigt sich, daß die Integration kognitiver Aspekte in die Ansätze von rational choice eine Reihe neuer Einsichten ermöglicht und die ursprüngliche Kritik heute nicht mehr aufrecht zu erhalten ist. Der Autor plädiert daher dafür, die Ansätze eher als komplementär denn als einander ausschließend zu betrachten.