Wenn der MAGA-Chefstratege Steve Bannon und der Bannerträger der US-Progressiven, Senator Bernie Sanders, gemeinsam für oder gegen etwas kämpfen, sollte man aufmerken. In der FAZ habe ich eine ganze Seite darüber schreiben dürfen, wie sich Protest gegen Künstliche Intelligenz (KI) in den USA an unerwarteter Stelle manifestiert und organisiert, weshalb Links- und Rechtspopulisten hier vereint sind und welche Parallelen ich hier zu den Protesten gegen Handelspolitik in den 2010er Jahren sehe.
In der Tat formieren sich die Proteste um KI nicht primär um Fragen des Arbeitsmarktes oder abstrakte Fragen von Veränderung durch diese Technologie, sondern um sehr konkrete, materielle Fragen. Sie entzünden sich an den riesigen Datenzentren, die mit enormem Energiebedarf sowie mit Flächen- und v.a. Wasserverbrauch einhergehen. Die Proteste haben in den letzten Jahren bereits eine geographische Verschiebung der Planung von Datenzentren von städtischen in ländliche Gegenden und von der Ostküste der USA (z.B. Virginia) in den mittleren Westen und Südwesten (z.B. Indiana, Utah, Arizona) ausgelöst. Doch auch in diesen republikanisch geprägten Gegenden organisiert sich der Widerstand, und er tut es über Parteigrenzen hinweg.
Das ist kein Thema, das nur in den USA ein Problem ist. Meine Forschung zeigt, dass es auch in z.B. Großbritannien, Australien und der Bundesrepublik ähnliche Konflikte und Proteste gibt. Es sind Auseinandersetzungen, die wohl eher noch zunehmen und zeigen, dass die Debatte um KI eine relevante Verteilungsdimension hat, die bisher wohl deutlich unterschätzt worden ist.
Hier ist der Artikel aus der FAZ vom 26. Mai 2026 (Seite 6):