Nach einem Nachmittag in Berlin zur Sitzung des Netzwerk-Beirats der Deutsch-Britischen Gesellschaft ging es am nächsten Morgen direkt für drei Tage weiter in Sachen deutsch-britische Beziehungen nach London. Dort hatten Carolyn Rowe und Ed Turner vom Centre for Europe der Aston University zu Diskussionen und mehreren round tables mit Parlamentsmitgliedern im Unter- und Oberhaus sowie mit akademischen Kollegen im King’s College London im Rahmen der großartigen Forschungsgruppe “UK in a Changing Europe” eingeladen.

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Bei herrlichem Frühlingswetter (hochwillkommen nach vielen kalten Wochen in Deutschland!) traf sich unsere Gruppe am nach Oliver Cromwell benannten Eingang zum Palace of Westminster und wurden als erstes zu einer Sitzung im House of Commons geleitet, bei der wir einer Debatte über die bevorstehende Ratifizierung des deutsch-britischen Kensington Treaty on Friendship and Bilateral Cooperation beiwohnen durften. In der Debatte, in der sich insgesamt neun Abgeordnete zu Wort meldeten, hoben alle Redner die Wichtigkeit des Vertrages und die neuen Chancen zur Kooperation hervor. Die Anwesenheit von Botschafterin Susanne Baumann sowie mehrerer weiterer Botschaftsangehöriger wurde ebenfalls positiv vermerkt. Was mir auffiel: der deutlich positivere Tonfall über Deutschland und Europa! Hier hat sich eindeutig etwas geändert in der politischen Debatte.

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Im Anschluss fand eine Sitzung der All-Party Parliamentary Group on Germany statt, in der die Mitglieder unserer Expertengruppe reihum kurze Einschätzungen zum Stand der Beziehungen, der aktuellen Herausforderungen sowie der politischen Lage in der Bundesrepublik nach einem Jahr Regierung Merz gaben. Unter dem Vorsitz von Sir Mark Hendrick entwickelte sich eine angeregte Diskussion, v.a. mit den MPs Ben Coleman und Kevin Bonavia, beide von der Labour Party. Beide schlossen sich unserer Gruppe dann auch noch zum Abendessen an, wo die Diskussionen in etwas informellerem Rahmen weitergeführt wurden.

Am nächsten Morgen ging es bereits um 8:30 Uhr weiter mit einem Termin im House of Lords, den Baroness Julie Smith (Liberal Democrats) mit interessierten Mitgliedern des Oberhauses zum Thema UK-EU-Beziehungen organisiert hatte. Auch hier kamen die Experten wieder zu Wort. Die Einschätzungen und Erwartungen unserer Gesprächspartner aus dem Oberhaus waren zum Teil so hoch, dass ich mich etwas verpflichtet fühlte, die Rolle eines advocatus diaboli einzunehmen und auf die über die Jahrzehnte und viele britische Regierungen entstandene Reputation als awkward partner zu verweisen, die in allen Gesprächen zu einer Annäherung sicher bei vielen EU-Mitgliedern eine Rolle spielen werde.

Am späten Vormittag begaben wir uns dann zum King’s College London, um – organisiert von “UK in a Changing Europe” und unter dem Vorsitz von dessen Direktor Anand Menon – in zwei Runden bis zum Nachmittag über “What does ‘greater ambition’ in UK-EU relations look like and what are its chances?” sowie “Next steps in the UK-German relationship” zu diskutieren. Es waren sehr angeregte Gespräche, und ich habe mich sehr gefreut, dass so großes Interesse an den Themen bestand und eine ganze Reihe von Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Universitäten, politischen Stiftungen und think tanks sich zur Teilnahme entschlossen haben!

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